BASF: Erstes Halbzeug aus PPA

01.07.2020

Die BASF, Ludwigshafen, hat jetzt ein Polyphthalamid (PPA) entwickelt, aus dem Halbzeuge mittels Extrusion hergestellt werden können. Das neue PPA heißt Ultramid Advanced N5H UN und wird von der Firma Gehr, Mannheim, eingesetzt, um Vollstäbe mit einem Durchmesser von 50 mm zu extrudieren.

Das PPA Ultramid Advanced N5H UN wird von Gehr zu Vollstäben mit einem Durchmesser von 50 mm extrudiert. (Foto: BASF)

Das PPA Ultramid Advanced N5H UN wird von Gehr zu Vollstäben mit einem Durchmesser von 50 mm extrudiert. (Foto: BASF)

Aufgrund seiner teilaromatischen chemischen Struktur bietet Ultramid Advanced N eine gute Mechanik bei höheren Temperaturen. Es bringt zudem eine gute Chemikalien- und Hydrolysebeständigkeit auch in aggressiven Umgebungen sowie gute Gleitreibeeigenschaften mit – und das bei Temperaturen über 100 °C. Wegen der geringen Wasseraufnahme bleiben die mechanischen Eigenschaften über einen weiten Temperaturbereich konstant. Das langkettige Hochleistungsmaterial zeigt auch in feuchten Umgebungen eine Dimensionsstabilität, die zu den höchsten aller Polyamide gehört.

Mit dieser Eigenschaftskombination bietet sich Ultramid Advanced N als Werkstoff in der Extrusion von Vorserienbauteilen, kleinen Baugruppen, aber auch in zahlreichen Anwendungen im Automobil- und Maschinenbau bis hin zu Küchengeräten an. Bei der spanabhebenden Bearbeitung liegen die Halbzeuge in ihrem Verhalten zwischen Polyamid und copolymeren Polyoxymethylen: Der Span läuft ruhig und stetig.

„Die Firma Gehr ist die erste, die PPA erfolgreich in der Extrusion einsetzt. Sie hat mit ihrem Extrusionsknow-how Rundstäbe entwickelt, die ohne Lunker hergestellt werden", sagt Philipp Wenz, Gruppenleiter im Vertrieb des Unternehmensbereichs Performance Materials bei der BASF. „Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um das weltweit erste Halbzeug aus Polyphthalamid handelt. Auf jeden Fall spielte das Hochleistungsmaterial auf dem Halbzeuge-Markt bisher keine nennenswerte Rolle. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass sich herkömmliche Polyphthalamide sehr schlecht extrudieren lassen.“

Ultramid Advanced N5H schließt damit eine Marktlücke zwischen Halbzeugen aus Polyetheretherketonen und Polyarylsulfonen auf der einen Seite und aus technischen Kunststoffen auf der anderen Seite, da es im Vergleich zu letzteren bei deutlich höheren Dauergebrauchstemperaturen als 120 °C eingesetzt werden kann. Der BASF-Werkstoff ist auch für andere Profile als Rundstäbe geeignet.

„Das Polyphthalamid der BASF lässt sich wesentlich einfacher verarbeiten als andere PPAs auf dem Markt“, sagt Bernhard Großkinsky, Leiter der Anwendungstechnik bei Gehr. „Es bietet uns ein breites Verarbeitungsfenster bei gleichzeitig hoher Schmelzestabilität. Die Materialqualität ist durchgehend gleichbleibend, wodurch wir unsere Halbzeugproduktion konstant halten können. Schließlich ist auch die leichte Bearbeitung der Halbzeuge zu fertigen Bauteilen ein Vorteil des BASF-PPAs.“

Das Anwendungsspektrum für Bauteile aus den von Gehr extrudierten Vollstäben ist groß: Bauteile mit sehr hohen Betriebstemperaturen und Pumpenkörper mit exakter Maßhaltigkeit sind ebenso denkbar wie Zahnräder, Thermostatgehäuse und Gleitschienen. Im Automobilbereich ist das Material besonders für Komponenten in Kontakt mit Motoren- und Getriebeölen, mit Kühlmitteln, Säuren, Salzen und Enteisungsmitteln geeignet. Aufgrund des guten Verschleißverhaltens und der hohen Zähigkeit können Bauteile, bei denen die Gleitreibeeigenschaften wichtig sind, selbst bei hohen Temperaturen eingesetzt werden.

www.ultramid-advanced-n.basf.com
www.ppa.basf.com
www.gehr.de

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