Grafe: Heimkompostierbare Kaffeekapseln in brillanten Farben

13.10.2021

Zum Einfärben der heimkompostierbaren Kaffeekapseln hat Grafe eine Reihe Farbmasterbatches entwickelt. (Foto: Grafe)

Zum Einfärben der heimkompostierbaren Kaffeekapseln hat Grafe eine Reihe Farbmasterbatches entwickelt. (Foto: Grafe)

An Kaffeekapseln scheiden sich die Geister. Die einen lieben den portionierten Genuss mit seiner Vielfalt der Aromen und Geschmäcker, die anderen halten die kleinen Behältnisse der Gaumenfreuden für umständlich und überteuert. Doch Studien zeigen – der Markt für Coffee on Demand wächst nahezu ungebremst. Einig sind sich Befürworter und Gegner jedoch in der Kritik an Umweltverträglichkeit der Mini-Portionen. Recyclingfähigkeit oder gar Heimkompostierbarkeit gehörten bislang nicht zu den Merkmalen der zwar kleinen Verpackungen, die jedoch in großer Stückzahl anfallen.

Basierend auf Fasern von Sonnenblumenkernschalen, Maisstärke und einem Gesteinsmehlgemisch aus mineralischem Füllstoff hat die Golden Compound GmbH, Ladbergen, einen Biokunststoff namens „Sun Circle“ entwickelt, aus dem die „Homecap“ gefertigt wird, die im Jahr 2018 als heimkompostierbare Einwegkapsel die Zertifizierung „OK compost Home“ des TÜV-Austria erhielt. In ihrem schlichten Dunkelbraun wurde sie zwar allen Nachhaltigkeitsanforderungen, jedoch nicht immer den Marketingaspekten gerecht, bei denen es vor allem auf visuelle Anreize ankommt. Seit 2016 arbeitet Golden Compound deshalb mit Grafe, Blankenhain, zusammen.

Den Farb-Spezialisten gelang es, in dreijähriger Entwicklungsarbeit, Masterbatches zur Einfärbung der Kaffeekapsel zu entwickeln, mit denen die kleinen Genussportionen optisch ansprechend verpackt werden können, ohne dass die Kompostierbarkeit darunter leidet. Inzwischen sind neun Farben vom TÜV Austria zertifiziert worden. „Das Entwicklungsprojekt war sehr aufwändig und hat unsere gesamte Kompetenz beim Einfärben von Kunststoffen gefordert“, berichtet Stefanie Theuerkauf, Vertriebsleiterin für die DACH-Region bei Grafe. „Die Masterbatches dürfen nur bestimmte Inhaltsstoffe enthalten, die Pigmente sind nur in begrenzten Konzentrationen verwendbar. Außerdem war es eine anspruchsvolle Aufgabe, das dunkle Grundmaterial zu überfärben.“

Aus dem Modalen-Sortiment des Masterbatch-Spezialisten stehen nun die Farben Kastanienbraun, Hellgrau, Brillantblau, Blaugrau, Petrol brillant, Olive brillant, Violett brillant sowie Beige und Beere zur Verfügung. Die Zertifizierung trat am 14. August 2020 in Kraft, seitdem sind die bunten Kapseln nach und nach auf den Markt gekommen. „Die Partnerschaft mit Grafe bietet für uns auch in Zukunft viel Potenzial“, sagt Reinhard Trumme, Prokurist bei Golden Compound, und verweist auf weitere langlebige oder gar heimkompostierbare Biokunststoff-Produkte seines Unternehmens.

Dazu zählen Anwendungen im Bauwesen, aber auch Kleiderbügel, Urnen, Stapelboxen, Coffee-to-go-Becher und nicht zuletzt den Pflanztopf „Pottburri“ der einem Millionen-Publikum über die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ auf dem TV-Sender Vox bekannt geworden ist. „Aufgrund der Nachhaltigkeit sind die Marktchancen für solche Produkte enorm“, so Theuerkauf. „Dank unseres Know-hows beim Einfärben von Kunststoffen werden diese noch einmal erhöht, da Farben ein wichtiges Marketing-Instrument sind, um Produkte ansprechend zu gestalten.“

Die heimkompostierbaren Einwegkapseln haben eine Aromabarriere, sind Nespresso-kompatibel, heißversiegelt und hitzestabil. Hergestellt im Spritzgießverfahren auf herkömmlichen Maschinen verfügen sie über eine geringe Wanddicke von unter 500 µm. Damit bauen sie die Brücke von der Wirtschaftlichkeit hin zur Nachhaltigkeit. Statt der energetischen Verwertung über den Hausmüll landen die Kapseln auf dem Kompost – und dort gehören sie auch hin. Denn hier liefert der Kaffeesatz wertvolle Pflanzennährstoffe wie Kalium, Phosphor und Stickstoff. Das Material zersetzt sich sehr schnell und vollständig bereits bei Temperaturen, wie sie etwa in der Gartenerde oder im Komposter herrschen. Also keine CO2-aufwändige Entsorgung und keine energieintensive Erwärmung.

Sowohl gegenüber herkömmlichen Aluminium-, als auch PLA-Kapseln oder solchen, die verstecktes Aluminium beinhalten, bieten die Kapseln aus Sun Cirlce Vorteile durch die Heimkompostierung: „Im Gegensatz zu diesen bleibt nach dem Abbau nicht nur Wasser übrig. Unser Rohstoff Sun Circle inklusive der Siegelfolie bei der Kaffeekapsel zerfällt binnen eines Jahres vollständig zu Wasser, CO2 und Biomasse. Er hinterlässt somit Humus und wertvollen Dünger und vor allem keine dauerhaften Mikropartikel“, erklärt Trumme.

Golden Compound produziert zwei Werkstoff-Gruppen: „pro“ steht dabei für langlebig, „green“ für heimkompostierbar. Dafür nutzt das Unternehmen bis zu 70 % Fasern der Sonnenblumenkernschalen als Füll- und Verstärkungsmaterial. Diese fallen als Nebenprodukt der Nahrungsmittelindustrie an, stammen aus einer bestehenden, qualitätsüberwachten Lieferkette und stehen nicht in Konkurrenz zum Lebensmittelanbau. „Zudem wurden sämtliche Materialien für das Spritzgießverfahren optimiert und bieten eine gute Verarbeitbarkeit, Steifigkeit und Schlagzähigkeit“, versichert Annabelle Hoesen vom Marketing und Vertrieb bei Golden Compound. Weitere Vorteile seien eine mögliche Zykluszeitverringerung sowie die einzigartige Optik und Haptik.

Verschiedene Produkte von Golden Compound besitzen die Zertifikate „OK compost Home“, „OK compost Indusrial“ oder „Ok biobased“. Umweltbewusste Verbraucher sollten beim Kauf ihrer Kaffeekapseln besonders auf das Label „Ok compost Home“ achten, denn hiermit wird bestätigt, dass sich der Rohstoff bereits bei normalen Umgebungstemperaturen in der Gartenerde oder im Komposter schnell zersetzt. Im Gegensatz dazu bedeutet „OK compost Industrial“, dass Temperaturen über 50 °C zur Zersetzung benötigt werden. Während 98 % aller am Markt befindlichen „Biokapseln“ lediglich dieses Zertifikat besitzen, verfügt die „Homecap“ über das seltene Gütezeichen „OK compost Home“.

www.grafe.com

© Kunststoff-Profi Verlag GmbH & Co. KG, Bad Homburg

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