Lanxess: Aus Wasserflaschen werden Laptopdeckel

15.04.2020

Die Matrix der neuen Halbzeuge besteht zur Hälfte aus Rezyklaten, die aus der Verwertung von Mehrweg-Wasserflaschen aus Polycarbonat stammen. (Foto: Lanxess)

Die Matrix der neuen Halbzeuge besteht zur Hälfte aus Rezyklaten, die aus der Verwertung von Mehrweg-Wasserflaschen aus Polycarbonat stammen. (Foto: Lanxess)

Lanxess, Köln, sieht in zukunftsweisenden Recyclingkonzepten ein Schlüsselelement, um seine Wettbewerbsfähigkeit mit nachhaltigen Materialien aus geschlossenen Stoffkreisläufen zu steigern. Jüngstes Beispiel für diesen Ansatz ist eine neue Produktreihe, die die Lanxess-Tochtergesellschaft Bond-Laminates zurzeit bei ihren endlosfaserverstärkten thermoplastischen Verbundwerkstoffen der Marke Tepex aufbaut. Die Matrix der neuen Halbzeuge besteht zur Hälfte aus Rezyklaten, die aus der Verwertung von Mehrweg-Wasserflaschen aus Polycarbonat stammen. „Wir zielen mit den Produkten vor allem auf Anwendungen wie Laptopdeckel oder Gehäuse von Smartphones, Tablets, E-Books oder Handys“, erklärt Dr. Dirk Bonefeld, Leiter Marketing & Sales Consumer Electronics, Sports and Industry bei Bond-Laminates.

Starker Bedarf in der Informations- und Kommunikationsbranche

Lanxess reagiert damit auf die starke Nachfrage aus der Informations- und Kommunikationsbranche nach nachhaltigen Materiallösungen. Bonefeld: „Wir bieten dieser Branche mit den neuen Composites darüber hinaus eine robuste, leichtgewichtige sowie einfach und sicher zu verarbeitende Alternative zum energieintensiven Magnesium-Druckguss.“ Die Informations- und Kommunikationsbranche ist zusammen mit der Haushaltsgeräte- und Elektro-/Elektronikindustrie mit einem Anteil von rund einem Drittel am globalen Verbrauch seit Jahren der größte Abnehmer von Polycarbonat.

Erstes Produkt im Großserieneinsatz

Die neue Produktreihe leitet sich von Tepex dynalite ab, das in der Massenproduktion hochbelastbarer Strukturbauteile etabliert ist. Eine erste, in Serie eingesetzte Materialvariante hat einen Kern aus Glasfasergeweben und Decklagen aus Carbon-Endlosfasergewebe. Kurz vor dem Serieneinsatz in Laptopdeckeln steht außerdem ein zweiter Materialtyp, der neben der Matrix aus rezykliertem Polycarbonat auch einen Wirrfaser-Kern aus Carbonfaser-Rezyklaten enthält.

Exzellente mechanische Eigenschaften und hohe Flammwidrigkeit

Bonefeld: „Beide Rezyklat-Entwicklungen haben exzellente mechanische Eigenschaften. Zum Beispiel liegen die Biegefestigkeit und -steifigkeit mit Werten um 530 MPa bzw. 45 GPa mindestens auf dem Niveau der etablierten Neuware. Auch das Verarbeitungsverhalten ist gleich.“ Dank der halogenfreien Flammschutzausrüstung erfüllen beide Produkte den UL 94-Flammschutztest des US-amerikanischen Prüfinstituts Underwriters Laboratories Inc. mit der besten Klassifizierung V-0 bei Wanddicken ab 0,4 mm.

Hohe Reinheit und Transparenz

In der Herstellung von großen Mehrweg-Wasserflaschen finden hochreine und hochtransparente Polycarbonate Verwendung, die für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt zugelassen sind. „Von diesem hochwertigen Eigenschaftsprofil profitieren auch unsere Rezyklate. Die hohe Transparenz macht sich beispielsweise bei Sichtbauteilen bezahlt, in denen die sehr regelmäßige Anordnung der Endlosfasern als ästhetisch ansprechendes Dekorelement genutzt wird“, erläutert Bonefeld. „Wir können uns daher vorstellen, dass sich die neuen Produkttypen auch gut für dekorative Strukturbauteile in Sportartikeln oder Automobilkomponenten eignen. Gerade aus der Sportartikelbranche haben uns zuletzt immer mehr Anfragen zu Rezyklatmaterialien erreicht.“

Biobasierte Faser- und Matrixsysteme in Entwicklung

Bond-Laminates arbeitet daran, sein Materialportfolio um weitere nachhaltige Faserverbundwerkstoffe zu erweitern. Ein Fokus liegt dabei auf Rezyklaten aus anderen Post-Industrial- oder Post-Consumer-Abfällen für die Thermoplastmatrix von Tepex. „Wir arbeiten weiterhin auch am Einsatz von biobasierten Faser- und Matrixsystemen sowie von vollständig rezyklierten Carbon-Fasern.“

www.lanxess.de

© Kunststoff-Profi Verlag GmbH & Co. KG, Bad Homburg

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