Polymer-Gruppe: Flexible PLA-Copolymere

29.07.2022

Die Polymer-Gruppe, Bad Sobernheim, hat mit SoBiCo Solutions in BioCompounds eine weitere Tochtergesellschaft gegründet. Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen flexible PLA-Copolymere, eine neuartige Klasse von Biokunststoffen, die unter dem Namen Plactid auf den Markt kommt. Die erfolgreiche Entwicklung ist das Ergebnis der mehrjährigen Zusammenarbeit der Polymer-Gruppe mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP, Potsdam. Anfang Juli wurde die die erste Produktionslinie in Pferdsfeld in Betrieb genommen.

Dr. Gerald Hauf, Geschäftsführer der Polymer-Gruppe und Dr. Antje Lieske, Leiterin der Abteilung Polymersynthese am Fraunhofer IAP, eröffnen neue Anwendungsfelder für PLA-Kunststoffe. Foto: Polymer-Gruppe

Dr. Gerald Hauf, Geschäftsführer der Polymer-Gruppe und Dr. Antje Lieske, Leiterin der Abteilung Polymersynthese am Fraunhofer IAP, eröffnen neue Anwendungsfelder für PLA-Kunststoffe. Foto: Polymer-Gruppe

Der aus Milchsäure gewonnene Biokunststoff PLA hat im Bereich der Biokunststoffe mit das stärkste Marktpotenzial. Herkömmliche PLA-Materialien sind jedoch oft steif und spröde. SoBiCo eabsichtigt daher, dem heute bereits weit verbreiteten Biokunststoff in Form eines Copolymers neue Anwendungsfelder zu erschließen, beispielsweise flexible Verpackungsfolien, automobile Spritzgussteile und thermoplastische Elastomere für Bauanwendungen. „Unsere neu entwickelten PLA-Copolymere zeichnen sich dadurch aus, dass ihre mechanischen Eigenschaften in einem sehr weiten Bereich eingestellt werden können“, erklärt Dr. Gerald Hauf, Geschäftsführer der Polymer-Gruppe. „So können mit Plactid Reißdehnungen von 3 bis 300 Prozent erreicht werden. Das macht diese Biokunststoffe für ein deutlich breiteres Spektrum an Anwendungen interessant, als es bei herkömmlichem PLA der Fall ist“, so Hauf.

Material- und Prozessentwicklung

Sowohl bei der Entwicklung des PLA-Copolymers als auch des Prozesses zu dessen Herstellung profitierte SoBiCo vom Know-how des Fraunhofer IAP. Das für PLA neuartige Produktionsverfahren basiert auf reaktiver Compoundierung, bei der aus Lactid und einem weiteren Comonomer ein PLA-Copolymer synthetisiert wird. Die normalerweise getrennten Verfahrensschritte der Polymerisation und der Compoundierung haben die Partner dabei in einem Prozess vereint.

Dr. Antje Lieske, Leiterin der Abteilung Polymersynthese am Fraunhofer IAP in Potsdam sagt: „Über den Anteil des biobasierten PLA am so hergestellten Kunststoff können wir sehr präzise steuern, wie flexibel das Material am Ende ist. Unsere PLA-Copolymere sind momentan zwischen 75 und 95 Prozent biobasiert. Ziel ist es, künftig komplett biobasierte Kunststoffe mit diesen mechanischen Eigenschaften zu erzeugen.“

Produktionsanlage für PLA-Copolymere

Auf einer Fläche von 2.000 m² werden in der in Betrieb genommenen Anlage pro Jahr künftig 2.000 t der neuartigen Biokunststoffe produziert. Mittelfristig plant die Polymer-Gruppe eine Ansiedlung der Biokunststoffaktivitäten an einem neuen Standort in Idar-Oberstein auf einer rund 17,5 ha großen Fläche. Langfristig sollen dort 30 bis 50 Mio. EUR investiert, eine Produktionskapazität von 100.000 t/a und circa 300 Arbeitsplätze geschaffen werden. „Unser Ziel ist es, bis 2030 den Anteil von Biokunststoffen und nachhaltigen Materialien an unserem Portfolio auf 30 Prozent zu steigern. Die gemeinsame Entwicklung mit dem Fraunhofer IAP ist unsere wichtigste Initiative, um dieses Ziel zu erreichen“, so Hauf.

www.polymer-gruppe.de
www.iap.fraunhofer.de

© Kunststoff-Profi Verlag GmbH & Co. KG, Bad Homburg

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