KI-Chefredakteur Christian Preiser (Foto: KI)
Die Nachricht birgt Potenzial: BASF und Evonik wollen zusammengehen. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe ist clever gewählt: In zwei Wochen öffnet die Kunststoffmesse „Fakuma“ in Friedrichshafen ihre Pforten. Solche Branchentreffen mit einigen Tausend Besuchern und Ausstellern sind auch immer ein idealer Ort für heißen Gossip. Dass die beiden deutschen Chemieriesen gerade jetzt ihre Fusionspläne publik machen, dürfte also kein kommunikativer Zufall sein, sondern vielmehr der Versuch, die Messe als Resonanzkörper zu nutzen.
Für die deutsche Chemieindustrie wäre ein Zusammenschluss von BASF und Evonik kein strategisch hochriskantes Manöver, wie es hier und da formuliert wird. Die Ludwigshafener wissen genau, was sie bekommen. BASF hat seit 2022 mehrfach formuliert, dass sie sich bei hochwertigen Spezialprodukten verstärken wollen. Evonik ist gut positioniert in der margenstarken Spezialchemie, und BASF könnte dadurch ihre Transformation weg von der Massenchemie mit ihren erodierenden Margen beschleunigen. Das für den Kauf notwendige Geld kommt mit dem Verkauf einiger Commodities herein.
Die Aktionäre von BASF und Evonik werden mit gemischten Gefühlen auf die Übernahme- und Einstiegspläne schauen. Denn während BASF auf gutem Weg ist, ihre drei Kontinentalregionen einigermaßen balanciert aufzustellen, erwirtschaftet Evonik noch immer die Hälfte des Umsatzes in Europa. Das würde die BASF bei ihren eigenen Anstrengungen einer regionalen Diversifikation um Jahre zurückwerfen. Die Kauf- oder Verkaufsentscheidung für die Aktionäre von BASF und Evonik – wenn es denn zu einer solchen kommt – dürfte also keinesfalls einfach werden.
Christian Preiser und Sven Arnold
Chefredaktion „Kunststoff Information“