Kunststoffrecycling: Interview mit dem BASF-Experten Dr. Klaus Ries

13.11.2023

Plädiert für Kunststoffrecycling: Dr. Klaus Ries (Foto: BASF)Plädiert für Kunststoffrecycling: Dr. Klaus Ries (Foto: BASF)

KI: Was denken Sie, wenn Veranstaltungen oder auch Unternehmen mit dem Label „plastikfrei“ werben?

Dr. Klaus Ries: Das Erste, was mir in den Sinn kommt, ist, dass das ganz oft nichts anderes als Greenwashing auf Kosten eines Werkstoffes ist, der in vielen Bereichen anderen Lösungen technisch, ökonomisch und ökologisch überlegen ist. Wenn ich denke, wie viele Verpackungsanwendungen von Kunststoffen auf schlechtere Lösungen, gerade auch im Hinblick auf die Rezyklierbarkeit, umgestellt worden sind, kann ich nur den Kopf schütteln. 

Wie sieht es mit den Alternativen für Kunststoff aus?

Ries: Eine Studie von Rethink Plastic zeigt, dass Lebensmittelverpackungen aus Papier oder Pappe aufgrund des hohen Wasserverbrauchs bei der Herstellung, den teilweise enthaltenen Inhaltsstoffen und den Recyclingzyklen mit Blick auf ihren ökologischen Fußabdruck häufig schlechter abschneiden als Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff. Trotzdem werden diese Produkte gegenüber Konsumenten und Politikern als „nachhaltige Alternativen zu Kunststoffprodukten“ vermarktet.  

Aber gegen die Vermüllung der Umwelt mit Kunststoffabfällen muss doch etwas getan werden?

Ries: Zweifellos ist das richtig. Doch es darf nicht irgendetwas getan werden. Sondern wir müssen das Richtige tun. Es ist bekannt, dass ein Großteil der Plastikeinträge in die Ozeane durch 10 Flüsse verursacht wird. Hier muss man ansetzen und den betreffenden Ländern helfen, die Kunststoffabfälle entweder zu vermeiden oder zu sammeln und einer Wiederverwertung zuzuführen. 

Und warum passiert das nicht? 

Ries: Weil dieser Prozess schwieriger, aufwändiger und langwieriger ist, als sich einfach hinzustellen und keck zu behaupten „Wir verzichten auf Plastik.“ Medienwirksame Aufräumaktionen von Stränden sind gut, helfen in Wahrheit aber nur temporär. 

Dr. Klaus Ries hat an der Universität Mannheim Betriebswirtschaftlehre studiert und wurde dort auch promoviert. Seit 1995 arbeitet er bei der BASF, wo er seit fast 10 Jahren das Styrenics-Geschäft leitet. 

© KI – Kunststoff Information, Bad Homburg

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