Energiezuschlag: Missbrauch oder Notwendigkeit? Ein Kommentar

18.10.2021

KI-Redakteur Sven Arnold (Foto: KI)KI-Redakteur Sven Arnold (Foto: KI)

Es mag anmuten wie eine Verschwörungstheorie, doch hier und da zeigen Äußerungen, dass zumindest ein Körnchen Wahrheit darin stecken könnte. Mit dem Anziehen der Preise für die Energieträger Gas und Strom scheinen etliche Erzeuger inzwischen dazu überzugehen, der Rechnung einen gesonderten Posten hinzuzufügen, den ich der Einfachheit halber Energiezuschlag nenne. Zwei der ersten waren Huntsman und Kem One, jüngstes Beispiel ist Celanese.

Angesichts der ungewöhnlichen Verwerfung geschieht das neue Herangehen vollkommen zu Recht, könnte die eine Seite sagen. Andererseits ist die Produktion wovon auch immer stets abhängig von diversen Kostenfaktoren, deren Energie nur einer ist. BASF beispielsweise exerziert das im Gegensatz zu einigen anderen genau so. „Starke Schwankungen des Gaspreises in Abhängigkeit von Nachfrage und Saison sind nicht ungewöhnlich“, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Es sei die Aufgabe der Geschäftsbereiche, die Entwicklung von Energie- und Rohstoffkosten in den Preisen zu berücksichtigen.

Damit gelangen wir zum Knackpunkt: In den Gesprächen während der Messe „Fakuma" und mit den KI-Preispanel-Teilnehmern deutet inzwischen vieles darauf hin, dass diese Energiezuschläge als separate Kostenposition auf der jeweiligen Rechnung ausgewiesen werden. Damit jedoch wären sie nicht mehr Teil der Verhandlung über die eigentlichen Preise und vor allem: Sie befänden sich außerhalb jeglicher Einflussmöglichkeit des Käufers, zumal sie quasi nach Belieben von den Herstellern erhöht werden könnten. Dieser Ansatz ließe sich zudem nach Gutdünken ausweiten – auf Löhne und Gehälter nach deren Erhöhung, nach einer Teuerung für Diesel in der Lkw-Logistik, bei hohen Containergebühren.

Nur zu vermuten ist darüber hinaus, dass es Unternehmen gibt, die – weil Erhöhungen der eigentlichen Polymerpreise bei seitwärts oder gar abwärts tendierenden Rohstoffkosten nur schwierig durchzusetzen sind – Fünfe gerade sein lassen und die Energiezuschläge flugs mit den gewünschten Margenaspekten anreichern. Sagen wird das offiziell niemand, der seine Sinne beisammen hat, doch der Verdacht bleibt. Und dieser wird nicht eben dazu beitragen, das seit der Force-Majeure-Welle ohnehin beschädigte Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Erzeuger wieder wachsen zu lassen – auch wenn Dr. Michael Zobel, Vorstandsvorsitzender von PlasticsEurope Deutschland, solche Gedanken früher im Jahr entschieden zurückgewiesen hatte.

Sven Arnold
KI-Redaktion

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