Kunststoffkonjunktur: Branchenumfrage bestätigt pessimistische Prognose

30.07.2019

Die Stimmung in der deutschsprachigen Kunststoffbranche trübt sich ein. Diese Einschätzung angesichts eines volatilen wirtschaftlichen Umfelds wird durch die 37. halbjährliche Umfrage zur Konjunkturentwicklung im KI Dialog bestätigt. Zwar verlief die erste Hälfte des Jahres 2019 für knapp ein Viertel der 509 Teilnehmer doch besser als das zweite Halbjahr 2018. Zugleich verlief es für knapp ein Drittel schlechter als in den sechs Monaten zuvor. Damit wurden die Erwartungen der Befragten gerade noch erfüllt. Für das kommende Halbjahr macht sich dagegen Pessimismus breit. Bewahrheitet sich auch diese Vorhersage, steht der Kunststoffbranche ein sehr schwieriges Halbjahr bevor.

Noch im Januar 2019 gingen 29 Prozent der Befragten von einem besseren und 23 Prozent von einem schlechteren Geschäftsverlauf für das erste Halbjahr 2019 aus. Die aktuellen Umfragewerte zeigen nun, dass tatsächlich die Hälfte der Teilnehmer eine stabile Entwicklung erfuhren. Dagegen wechselten die Werte zwischen Optimisten und Pessimisten. Oder anders ausgedrückt: Der Anteil der Unternehmen, der wie erwartet bessere Geschäfte verzeichnete, schrumpfte stark. Bei den Verarbeitern war es besonders deutlich: Hier verdoppelte sich der Anteil derjenigen mit einem schlechteren Verlauf als erwartet. Diese Unternehmen gingen zuvor meist von einer stabilen Entwicklung aus.

Für das zweite Halbjahr 2019 erwartet nun mit 35 Prozent ein noch größerer Anteil eine negative Geschäftsentwicklung. Dennoch gehen weiterhin 23 Prozent von einer Besserung aus. Der KI Erwartungsindex für die nächsten sechs Monate fiel damit auf einen Wert von 82,8 Punkten – in diesem Bereich bewegte er sich in den letzten zehn Jahren erst zweimal: Während der Krise des Jahres 2009 und im Juli 2012.

Allein die Recycler erleben Boomphase

Von der Eintrübung sind insbesondere die Erzeuger, Distributeure sowie Maschinenhersteller betroffen und damit eben die Bereiche, die eine potenziell rückläufige Produktion zuerst zu spüren bekommen. Bei den Verarbeitern konnte sich sogar knapp ein Viertel über bessere Geschäfte freuen, wobei immerhin gut 40 Prozent eine sich abschwächende Entwicklung hinnehmen mussten. Am besten getroffen haben es die Kunststoffrecycler, die sich derzeit an einer wachsenden Bedeutung ihrer Teilbranche erfreuen können. Knapp ein Drittel verzeichnete bessere Geschäfte, ein ebenso großer Anteil aber auch schlechtere als noch im zweiten Halbjahr 2018.

Die Geschäftserwartungen für das zweite Halbjahr spiegeln diese Tendenzen wider: Insbesondere Rohstoffanbieter sind sehr pessimistisch, nur jeweils gut 10 Prozent rechnen mit anziehenden Geschäften. Bei den Recyclern und hier auch bei den Anwendern von Kunststoffprodukten sind dies jeweils ein Drittel. Die Geschäftserwartung für das Inland unterscheidet sich von diesem Bild im Wesentlichen nur in einem Aspekt: Der Anteil der optimistischen Recycler überspringt die 40 Prozentmarke deutlich.

Auch beim Investitionsverhalten zeigen sich deutliche Anzeichen einer Konjunktureintrübung: Nur 11 Prozent der Unternehmen haben die Investitionsplanung im ersten Halbjahr 2019 aufgestockt, 25 Prozent haben sie dagegen zurückgefahren. Zum Vergleich: Vor einem Jahr erhöhten noch 25 Prozent der Befragten die Investitionen und nur 9 Prozent kappten sie. Betroffen sind auch hier den Erwartungen entsprechend die Maschinenbauer, von denen fast 60 Prozent die Investitionen herunterfuhren. Denn gerade diese Teilbranche kämpft mit sinkenden Auftragsvolumina und rechnet mit deutlich zurückgehenden Umsätzen in diesem Jahr, wie auch der VDMA kürzlich erklärte.

Auch bei der Beschäftigungsentwicklung bilden die Recycler und Anwender die Ausnahme: Hier stockten jeweils gut 40 Prozent den Personalbestand auf. Daneben haben rund 50 Prozent der Unternehmen quer zu allen Teilbranchen ihre Mitarbeiterzahl konstant gehalten. Jeweils zwischen 15 und 18 Prozent bauten Personal ab. Die Erwartungen für das restliche Jahr 2019 bewegen sich dagegen in allen Teilbranchen auf einem ähnlichen Niveau: 17 Prozent wollen Personal abbauen, ein ebenso großer Teil will aufbauen. Offenbar warten auch die Recycler nun erstmal die weitere Entwicklung ab, bevor sie in großem Umfang weiter Kapazitäten aufbauen.

Handelskonflikte bedrohen die Kunststoffbranche

Die trüben Aussichten könnten unter anderem mit weltweiten wirtschaftspolitischen Entwicklungen zu tun haben, namentlich die Handelskonflikte zwischen den USA und China. So sagten 73 Prozent der Befragten, diese hätten „negative“ oder „eher negative“ Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Und logischerweise sind es vor allem die Unternehmen mit stärkerer Exportorientierung, die sich betroffen fühlen. In der Verarbeitung sind die Unternehmen mehr oder weniger gleich stark betroffen. Einzig die inlandzentrierte Baubranche bildet eine Ausnahme. Hier verspüren rund die Hälfte keinerlei Auswirkungen der Handelskonflikte auf das eigene Geschäft.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage nach den Auswirkungen der automobilen Absatzschwäche: 77 Prozent der Befragten sind davon weniger stark (47 Prozent) bis sehr stark (7 Prozent) betroffen, nur 23 Prozent spüren nichts. Angesichts der großen Rolle, die die Autoindustrie für die Kunststoffbranche spielt, können diese Zahlen nicht überraschen. Bezogen auf den Industriezweig bekommen dies durchweg alle zu spüren, mit den Ausnahmen einiger Verarbeiter und Halbzeughersteller sowie Anwender, die sich geschäftlich außerhalb der Autobranche bewegen, darunter Verpackungs-, Rohr- und Möbelhersteller.

Der Einsatz von Rezyklaten zur Fertigung von neuen Produkten muss zunehmen, wenn die EU-Kreislaufwirtschaft wie geplant funktionieren soll. Der politische Druck macht sich hier durchaus bemerkbar: Immerhin 21 Prozent der Unternehmen haben ihre Produktion bereits entsprechend umgestellt (Vorjahr: 14 Prozent), weitere 40 Prozent arbeiten derzeit an Lösungen (Vorjahr: 25 Prozent). Bei den Kunststoffverarbeitern gehören mittlerweile zwei Drittel zu einer der beiden Gruppen (Vorjahr: 40 Prozent). Es kommt also Schwung in die Sache. Besonders die Unternehmen in den Bereichen Verpackung und Konsumwaren stechen mit über 80 Prozent hervor. Umgekehrt sehen weiterhin rund 10 Prozent der Verarbeiter keine Möglichkeit zum Einsatz von Rezyklaten. 

Etwa 22 Prozent sehen hier Probleme mit der Qualität der Rezyklate (Vorjahr: 33 Prozent). Es scheint also, dass zumindest dieses Thema erfolgreich angegangen wird. Dagegen hat sich der Anteil derjenigen, die technische Grenzen als Hinderungsgrund angeben, von 10 Prozent auf 22 Prozent erhöht. Knapp 40 Prozent machen hingegen Kundenanforderungen für den Verzicht auf Rezyklate verantwortlich. Aber auch hier ist Bewegung festzustellen: Im Vorjahr sagten dies noch mehr als die Hälfte. Es scheint, als setzten sich Designer und Konstrukteure zunehmend mit den Zulieferern zusammen, um dieses Problem zu lösen.

Verarbeiter erneut größte Teilnehmergruppe

Die größte Gruppe unter den Befragten stellt auch diesmal die Kunststoffverarbeitung. Nicht ganz ein Drittel der teilnehmenden Unternehmen aus diesem Industriezweig beschäftigt sich mit Verpackungen, ein weiteres Drittel mit technischen Produkten (Technische Teile, Auto, E&E), 17 Prozent sind im Infrastruktur-Segment (Baubedarf, Rohre / Profile) tätig. Die auf Auto oder E&E fokussierten Zulieferunternehmen weisen mit jeweils gut 50 Prozent den weitaus höchsten Anteil an großen Gesellschaften mit mehr als 500 Mitarbeitern auf. Bei Rohr- und Profilherstellern liegt dieser Anteil noch bei rund 45 Prozent. Die restlichen Sparten der Verarbeitung sind hingegen noch deutlich mittelständischer geprägt.

    © KI – Kunststoff Information, Bad Homburg

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